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Wildland Firefighting - Wald-
und Flächenbrandbekämpfung in den USA
Auszüge aus dem Einsatz-Tagebuch
Wildland-Diary - Erinnerungen
an das "Wildland Firefighting" in den USA
Auszüge aus dem Einsatz-Tagebuch
Wolfgang Jendsch (3. von links) während eines Wildland-Einsatzes
im Kern County, Kalifornien/USA.
Erinnerungen kann man auf unterschiedliche
Weise bewahren - man kann sie "bildhaft" in seinem Innern speichern, man
kann sie aufschreiben - oder aber, wenn man in der eigenen aktiven Feuerwehrtätigkeit
die Einsatz-Dokumentation zum Hauptaufgabengebiet erklärt
hat, kann man "innere Erlebnisse", Text und Fotos in einer
Art und Weise zusammen stellen, die die ganz persönlichen Erlebnisse
widerspiegeln und die zugleich dem interessierten Aussenstehenden einen
zugegeben "winzigen" Einblick in die US-Feuerwehrtätigkeit
geben. Und so dienen meine Tagebuch-ähnlichen Aufzeichnungen
- von denen nachstehend nur einige wenige Auszüge ausgewählt
wurden -, nicht nur allein der fachlichen Dokumentation von
Vorkommnissen im Bereich des "Wildland Firefighting" (Wald- und Flächenbrandbekämpfung
in den USA), sondern auch dem Versuch, interessierten Kameraden,
Kollegen und Freunden diese Erinnerungen und insbesondere die zahlreichen,
zum Teil spektakulären Einsätze zugänglich zu machen.
Viel Spass bei den "Erinnerungen
an Wildland Firefighting in den USA"!
Mittwoch, 13.06, 01.15 p.m.:
Flächenbrand, Gustine/Kalifornien
Die stundenlange Fahrt durch das San Joaquin Valley war
ermüdend, staubig und bei einer Aussentemperatur von rund 100 Grad
Fahrenheit (ca. 40 Grad Celsius) trotz Klimaanlage viel zu heiss. Gegen
fünf Uhr sollte die Airtanker Base in Fresno erreicht sein. Doch dann
war da in einigen Meilen Entfernung plötzlich die weithin sichtbare
dunkle
Rauchsäule über der flachen Landschaft?! Wenige Minuten
später hatte ich auf dem Highway 140 die Einsatzstelle erreicht. Eine
grössere Fläche
Wildland mit Gras und kleineren Büschen
stand in Flammen. Nur wenige hundert Meter vom Feuer entfernt ein kleines
Farmhaus, bei dem keine Menschen zu sehen waren. Als ich mein Fahrzeug
am Rande der Strasse anhielt, stoppte aus der Gegenrichtung auch ein Streifenwagen
der "California Highway Patrol". Zusammen mit dem Officer,
der mich auf Grund meiner Dienstbekleidung sofort als Feuerwehrangehörigen
erkannte (und der umso erstaunter war als er erfuhr, dass ich Mitglied
einer deutschen Feuerwehr war!), rannte ich auf das Bauernhaus zu. In diesem
Augenblick verschärfte sich die Lage dramatisch: der
Wind frischte böig auf, änderte seine Richtung und trieb die
Flammen
direkt auf das hölzerne Gebäude zu. Schlagartig griff
das Feuer auf ein grösseres Gebüsch über, das nur wenige
Meter vom Haus entfernt war. Mir wurde schnell klar, dass ich im Hinblick
auf den Schutz des Wohnhauses ziemlich hilflos darstand.
Eine Art "innere Erlösung" war dann die Mitteilung des Police Officers,
dass Löschfahrzeuge des
Merced County Fire Department
und des US Forest Service auf der Anfahrt waren. In der Tat
- weitere "bange" Minuten - dann trafen zwei Engines und ein Führungsfahrzeug
der zuständigen Feuerwehr sowie eine Engine des Forest Service ein.
Der Rest war "feuerwehrfachliche Routine" - und ein vor den Flammen bewahrtes
Gebäude!



Bild
1: Flächenbrand unweit des Highway 140 bei Gustine, Kalifornien. Unmittelbar
gefährdet ist ein aus Holz gebautes Farmhaus (im Bild rechts).
Bild
2: Die Lage verschärft sich, als der Wind auffrischt und ein Gebüsch
in unmittelbarer Nähe des Gebäudes in Flammen setzt.
Bild
3: Nach einer endlos erscheinenden Zeit treffen die Fahrzeug des Merced
County Fire Department aus Gustine und Stevinson an der Einsatzstelle ein.
Bild
4: Zur Verstärkung ist eine Engine des US. Forest Service (USFS/USDA)
auf der Anfahrt.
Freitag, 26.08., 04.23 p.m.:
Gebäudebrand, San Francisco/Kalifornien
Das "kreischende" Geräusch des Alarmsignals zerriss
die Stille in der Feuerwache 44 im Südwesten von San
Francisco. "Engine 43, Engine 44, Truck 15 - house fire!", lautete die
Meldung des "Incident Command Center" (ICC; Leitstelle).
Für die südlichen Bereiche der Stadt und der angrenzenden Vorstadt
Daly City im San Mateo County bedeutete diese Meldung nichts Gutes, sind
es dort doch überwiegend Wohnhäuser aus Holz, die
in langen und engen Reihen entlang der hügeligen Strassen gebaut wurden.
Ein übergreifendes Feuer könnte im schlimmsten Fall ganze Stadtteile
"in Schutt und Asche" legen. Als Engineer Dave das schwere Löschfahrzeug
über die Felton Street in Richtung Einsatzstelle steuerte, zeigte
eine riesige Rauchsäule bereits das Ausmass des Gebäudebrandes.
Über Sprechfunk wurden auch die Engines 93 und 94 des Daly City
Fire Departments alarmiert, ferner war eine Ambulance der "Paramedic
Division" des öffentlichen Gesundheitsdienstes von San Francisco
(Department of Public Health) auf der Anfahrt.
Bei unserem Eintreffen an der Einsatzstelle stand der
hintere
Teil des zweigeschossigen Wohngebäudes in Flammen. Dicker
Qualm drang aus allen Fenstern und Türen. Personen waren nicht in
Gefahr, sie konnten das Gebäude frühzeitig verlassen. Schon jetzt
wurde klar, dass das hölzerne Gebäude kaum noch zu retten ist,
es galt das Nachbargebäude vor dem Übergreifen der Flammen
zu schützen. Mehrere Trupps unter Atemschutz rückten
gegen das Feuer von ausserhalb und innerhalb des Hauses vor. Mit Motorsägen
wurde das Dach geöffnet. Innerhalb einer knappen halben Stunden war
das Feuer gelöscht, das Nebengebäude blieb unbeschädigt.
Engine
44 des San Francisco F.D. rückte wenig später wieder
in die Wache ein.



Bild
1: Auf der Anfahrt zur Einsatzstelle wird das Ausmass des Brandes bereits
deutlich sichtbar.
Bild
2: Bei Eintreffen der ersten Kräfte steht eines der Wohngebäude
in Flammen. Dichter schwarzer Qualm dringt aus Fenster und Türen.
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3: Einheiten des San Francisco F.D. und des Daly City F.D. arbeiten zusammen,
um das Nachbargebäude zu schützen.
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4: Mit Äxten und Motorsägen wird das Dach des Hauses geöffnet.
Samstag 27.09., 07.50 p.m.:
"Williams Incident", Yuba County/Kalifornien
Die Nachricht von einem Grossbrand in den Wäldern
des Yuba County unweit des kleinen Ortes Dobbins erreichte mich
ausgerechnet im Nordwesten Arizonas. In Dobbins gibt es eine kleine Feuerwache
des "California Department of Forestry and Fire Protection" (CDF),
die zum damaligen Zeitpunkt durch die herannahenden Flammen ziemlich gefährdet
war. Wohl deshalb klang der Anruf nicht gerade hoffnungsvoll, so dass ich
meine Arbeit in Arizona abbrach und mich unverzüglich aufmachte in
Richtung Norden.
Das Feuer war am Tag zuvor um 03.30 p.m. auf einem Campingplatz
nordwestlich
von Dobbins beziehungsweise südlich von Challenge ausgebrochen
und hatte sich innerhalb von rund viereinhalb Stunden auf eine Fläche
von fast 700 Acres (knapp drei Quadratkilometer) in Richtung Südwesten
ausgedehnt. Obwohl starke Einheiten aus dem Yuba County sowie vom CDF bereits
im Einsatz waren, gelang es nicht, die Flammenwand zu stoppen. Eine weitere
Ausdehnung
des Waldbrandes wurde zu diesem Zeitpunkt erwartet.



Bild
1: Das "Williams Fire" in seiner vollen Ausdehnung. Über 23 Quadratkilometer
Wald waren von den Flammen betroffen.
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2: Glück im Unglück für dieses Wohnhaus (im Bild links).
Vorbeugende Massnahmen schützten das Gebäude, während rund
herum die Vegetation abbrannte.
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3: Der Ausgangspunkt des "Williams Incident" - ein Campingplatz südlich
von Challenge.
Bild
4: Innerhalb von wenigen Stunden wurden durch den Waldbrand 150 Wohnhäuser
und Betriebe vernichtet.
Nach dem Eintreffen in dem für die Öffentlichkeit
weiträumig abgesperrten Einsatzgebiet fuhr ich direkt zum Base
Camp des "Williams Incident" an der Flat Road zwischen Challenge
und Brownsville. Der zuständige Public Information Officer (PIO)
Jam Ferreira war von meinem Eintreffen bereits unterrichtet. Die
Kollegin wies mich in die aktuelle Lage ein und händigte
mir ausführliches Kartenmaterial, die taktischen Unterlagen sowie
die Funkfrequenzen der jeweiligen Einheiten aus - nicht ohne nochmals auf
die überall im Einsatzgebiet geltenden "Safety Messages"
hinzuweisen: "Watch out for snags, poison oaks and power lines; wear
protective clothings - and drive carefully!". Ab jetzt war ich
zunächst auf mich allein gestellt in einem riesigen, unübersichtlichen
Waldgebiet, in dem jederzeit ein Inferno ausbrechen konnte. Dichter Rauch
und das "Grummeln" des nahen Feuers begleitete mich auf meinem Weg zur
Fire
Station in Dobbins. CDF-Battalion Chief Jim Stuller, den ich einige
Zeit zuvor bereits in anderem Zusammenhang kennengelernt hatte, zeigte
sich erfreut über die ausländische "Unterstützung". Wenig
später starteten wir mit dem an der Wache stationierten Hubschrauber
zu einem Kontrollflug über das Einsatzgebiet, das mittlerweile in
fünf
"Branches" (Einsatzabschnitte) aufgeteilt war. Die Schäden
waren immens, zudem war die Flammenwand nur wenige hundert Meter entfernt
an der Feuerwache vorbei gezogen.
Innerhalb von drei Tagen waren bis zum 29. September
rund 5.743 Acres (über 23 Quadratkilometer) Hochwaldgebiet
vom Feuer betroffen, etwa 150 Gebäude wurden vom Feuer gänzlich
zerstört. Zum Einsatz kamen 2500 Firefighter
mit rund 800 Fahrzeugen.
Für zwei Tage kam ich im Williams Base Camp unter.
Von hier aus hatte ich Gelegenheit, die einzelnen Einheiten bei deren Einsätzen
zu begleiten, die einzelnen Funktionsbereiche des eingesetzten "Incident
Management Teams" sowie des "Incident Communication Centers"
kennen zu lernen sowie nicht zuletzt die Massnahmen zur Evakuierung und
Betreuung der betroffenen Bevölkerung beobachten zu können. Für
mich erwies sich der Einsatz beim "Williams Fire" als fachlich
ausgesprochen interessant und zudem als bestens geeignet, das amerikanische
"Incident
Command System" (ICS) einmal mehr in der Praxis zu erleben.



Bild
1: Das Einsatzmanagement-Team war in den Räumen der Feuerwache Brownsville
untergebracht.
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2 und 3: Das "Base Camp" unweit von Challenge. Hier befanden sich die Einsatzzentrale
des "Williams Incident" sowie die Unterkünfte der eingesetzten Kräfte.
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4: Wolfgang Jendsch am Helikopter in Dobbins. Während der regelmässigen
Kontrollflüge konnte die Entwicklung des Waldbrandes beobachtet werden.
Freitag, 22.06., 10.15 a.m.:
"Unheimliche Begegnung" in der
Sierra Nevada
Ein Einsatz der "besonderen Art"! Wir waren
auf Kontrollfahrt im Bereich der südlichen Sierra Nevada, unweit von
Kernville/California. Die Kameraden beim US Forest Service wussten längst,
dass ich Klapperschlangen "heiss und innig" liebte, wo immer
diese schlängelnden und rasselnden Geschöpfe auch auftauchten.
Umso mehr reizte es sie offensichtlich, mir diese Tiere quasi "hautnahe"
vorzuführen. Als wir plötzlich eine Klapperschlange über
den Waldweg kriechen sahen, half keine Flucht mehr - weder der Schlange
noch mir! Eine Wildland-Hacke attackierte - die Schlange ging in
Veteidigungsstellung. Ohne Zweifel war es für mich nicht uninteressant,
das Verhalten dieses ansonsten gefährlichen Tieres zu beobachten,
wenngleich ich gern auf eine solche Vorstellung verzichtet hätte.
Einen fachlichen Hintergrund hatte die
Vorführung allerdings schon. Meine Begleiter vom US Forest Service
machten deutlich, dass es beim Wildland Firefighting unbedingt erforderlich
ist, grösste Vorsicht gegenüber Klapper- und sonstigen
Schlangen walten zu lassen. Spezielle Vorsichtsmassnahmen und Kenntnisse
über das Verhalten im Umgang mit Schlangen sind daher unverzichtbar,
um solchen potentiellen Gefahren während der Einsätze
in Gras-, Brush- und Wildlands sicher begegnen zu können.



Bild
1: Eine Klapperschlange versucht ins Unterholz zu flüchten - offensichtlich
ohne Erfolg!
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2 und 3: Mit der Wildland-Hacke gegen die Schlange, die sich natürlich
mit lautem Rasseln und Schnappangriffen wehrt.
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4: Wildland Firefighter müssen auch mit Klapperschlangen umgehen können
- zu ihrer eigenen Sicherheit.
Dienstag, 16.07., 09.30 a.m.:
Backfiring-Training, Spokane
County/Washington
Waldbrand-Einsätze sind das Eine - Wildland-Training
das Andere! Auch für mich stand während meiner Aufenthalte bei
den einzelnen Feuerwehren und Brandschutz-Organisationen (Agencies) immer
wieder Training und Ausbildung an. Und diese Trainingseinheiten
waren zudem für mich nicht nur eine willkommene Aus- und Fortbildung
im Bereich von Technik und Taktik des "Wildland Firefighting",
sondern zugleich auch eine
wertvolle Bereicherung zur eigenen Sicherheit.
Nur wer die unterschiedlichsten
Massnahmen und Methoden in
der Brandbekämpfung mal gesehen, erlebt und gelernt hat, kann sich
im realen Einsatz adäquat verhalten, Gefahren vorbeugend begegnen
und entsprechende Probleme vermeiden.
Diesmal war "Burning out" (Ausbrennen)
und "Backfiring (Gegenfeuer) angesagt - eine Methode der
Wildland Firefighter, um bestimmte und festgelegte Vegetationsflächen
kontrolliert abbrennen zu können. Diese "Controled Burns"
(Prescribed Fires) werden entweder im vorbeugenden Waldbrandbrandschutz
zum Ausbrennen gefährdeter Bereiche durchgeführt,
oder aber im Bereich einer Einsatzstelle zum Ausbrennen von brennbarem
Material (zum Beispiel trockenes Gras, Gebüsch, abgestorbene Zweige)
innerhalb
einer Brandschneise (Fire Line) gelegener Flächen. Eingesetzt
werden dabei sogenannte mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte
"Drip
Torches" (Fusee, Propane Torches, Pneumatic Torches), eigens dazu
im Handgepäck mitgeführte Zündfackeln (Flare
Pen) oder Flammenwerfer (Flamethrowers).




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1 und 2: Praktisches Training zum Einsatz von "Drip Torches". Gezielt können
damit Innenbereiche der "Fire Lines" sowie trockenes Unterholz verbrannt
werden.
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3 und 4: Engineer Eddi Childs von der USFS Engine 51 zeigt eine Zündfackel
(Flare Pen), die im Gepäck der Handcrews mitgeführt wird.
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5: Ein "Flamethrower" im Einsatz. Mit diesem modernen Gerät können
schnell grössere Flächen oder Gebüsche in Brand gesetzt
werden.
Montag, 14.06., 11.15 a.m.:
Anlegen von Brandschneisen,
Winnemucca/Nevada
Die wenigen Waldbrandlöschfahrzeuge auf Mercedes-Benz-Fahrgestell
in den USA hatten es mir schon immer angetan. Zwei dieser Fahrzeuge sind
beim Winnemucca District Office des "Bureau of Landmanagement" (BLM)
im Süden Nevadas stationiert. Da kam mir der Anruf von BLM-Firemanager
Donald E. Tienhaara gerade recht. Er kündigte ein vorbeugendes Anlegen
von Brandschneisen (Fire Lines) an, einem grösseren Flächenbrand
im Norden der Stadt könne damit entgegen gearbeitet werden. Eingesetzt
werden sollten dazu die beiden eher aussergewöhnlichen Wildland
Engines 2931 und 2962 - zwei moderne Mercedes-Benz-Unimog vom Typ
2450 (Baujahr 1993) und 140 (Baujahr 1995), ausgerüstet mit 750 gal
(2839 Liter) beziehungsweise 250 gal (946 Liter) Löschwasser.
Die Fahrt durch das hügelige Brush- und Grasland
war staubig, heiss und nicht zuletzt anstrengend. Ein Unimog ist nun mal
kein wohlgefederter Chevrolet oder GMC, aber die Erfahrung einer solchen
Fahrt gehört eben auch zum Kennenlernen dieses Fahrzeugtyps. Beide
Engines sind mit
Frontschilden ausgestattet, mit denen relativ
schnell und sicher eine Schneise in den losen Sandboden geschoben werden
kann. Bei unmittelbarer Gefahr durch Feuer können die Wasserwerfer
und die Schnellangriffsleitungen der Löschfahrzeuge
auch zur eigenen Sicherheit eingesetzt werden.



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1: Über "Stock und Stein" geht die Fahrt mit beiden Unimogs durch
die hügeligen Grass- und Wildlands nördlich von Winnemucca in
Nevada.
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2: Bei dem Einsatz mussten Brandschneisen (Fire Lines) angelegt werden,
um einen Flächenbrand unter Kontrolle zu bekommen.
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3: Wildland Engine 2931 - ein MB-Unimog 2450 mit 750 gal Löschwasser
und einer 300-gpm-Pumpe.
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4: Wildland Engine 2962 - ein MB-Unimog 140 mit 250 gal Löschwasser.
Freitag, 11. Juni, 03.35 p.m.:
Wildfire, Bishop/Kalifornien
Dieser Einsatz war eher ein "glücklicher" Zufall!
Ich hatte dem Bishop Fire Department einen kurzen Besuch
abgestattet und war kurz vor dem Aufbrechen, als der Alarm einging: "Engine
7, Engine 9 - Wildfire!", lautete die knappe Funkdurchsage. Wenig
später waren wir auf der Fahrt zur Einsatzstelle etwas ausserhalb
der Stadt. Halbtrockenes Buschwerk, ein paar kleinere Bäume und Wildgras
hatten dort Feuer gefangen, nicht ungefährlich, aber doch eher ein
Kleineinsatz
für die Firefighter. Vom Kleinlöschfahrzeug (Engine 7, Brush
Truck) aus wurde der Schnellangriff vorgenommen, um das Feuer im Bereich
der Bodenvegetation zu löschen -, vom Tanker (Engine 9, Pumper-Tanker)
aus wurde der Frontwerfer gegen die brennenden Bäume gerichtet. Wenige
Minuten nur dauerte der Löschangriff, eine gute Stunde die Nachlöscharbeiten
(Mop up) - dann war die Gefahr einer Ausbreitung des Feuers gebannt. Eine
"lohnende"
Verzögerung - aber danach stand meiner Fahrt nach Nevada nichts
mehr im Wege!



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1: Engine 7 des Bishop Rural Fire District. Der kleine "Brush Truck" verfügt
über eine Schnellangriffseinrichtung und rund 1000 Liter Löschwasser.
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2: Mit der Schnellangriffsleitung vor!
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3: Engine 9 - ein "Tanker Pumper" - geht mit dem vorgebauten Wasserwerfer
gegen die brennenden Bäume vor.
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4: Das Feuer war schnell unter Kontrolle, abschliessend mussten einige
Glutnester abgelöscht werden.
Samstag, 20.09, 01.40 p.m.:
Verkehrsunfall mit Verletzte,
Durango/Colorado
Die Tage auf der Wache 1 (Durango) des Animas Fire
Protection Districts in Durango/Colorado waren interessant und
ereignisreich - und die von den Kameraden dort zubereiteten landestypischen
Speisen ein kulinarischer Genuss! Chief Allen Clay sowie Georg
Danforth und Eric Tollund hatten es sich zudem zur Aufgabe gemacht, mich
detailliert in ihre umfangreiche Arbeit einzuführen.
Zahlreiche
Realeinsätze boten vielfältige Möglichkeiten, das
zuvor Erfahrene und Erlernte in der Praxis umsetzen zu können. Zwar
konzentrierte sich meine Arbeit in Colorado hauptsächlich auf das
"Wildland
Firefighting", aber die Besatzungen der Wildland Fire Stations
im Westen der USA stehen in der Regel nicht nur für die Wald- und
Flächenbrandbekämpfung zur Verfügung, sondern auch für
reguläre
Brand- und Notfalleinsätze (Structure Fire Service, Rescue)
sowie für medizinische Notfalleinsätze (Medical
Aid).
So war es völlig normal, als die Wache über
Funk zu einem Verkehrsunfall mit verletzten Personen auf
dem Highway 160 in Richtung des San Juan National Forest alarmiert wurde.
Bereits auf der Anfahrt zur Einsatzstelle folgte unserem Fahrzeug eine
Ambulance der hier zuständigen "Mercy Paramedics", während
von der Wache 8 (Rafter) aus ein Rescue-Truck (Rüstwagen)
ausgerückt war. Die Lage vor Ort war klar: ein Pkw hatte sich überschlagen,
die Fahrerin wurde dabei verletzt. Der Rest des Einsatzes war Routine:
die Verletzte wurde durch die Paramedics und durch die Besatzung des Rüstwagens
notfallmedizinisch versorgt und dann mit der Ambulance ins Krankenhaus
verbracht. Für die übrigen Kräfte hiess es bald "Einsatzende!".



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1: Auf der Anfahrt zur Einsatzstelle! Im Rückspiegel taucht bereits
die Ambulance der "Mercy Paramedics" aus Durango auf.
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2: An der Einsatzstelle: ein Pkw hat sich überschlagen, die Fahrerin
wurde verletzt. Sie wird von Paramedics und Firefightern erstversorgt.
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3: Die Verletzte wird mit der Mercy-Ambulance ins Krankenhaus nach Durango
verbracht.
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4: Einsatzende auf dem Highway 160! Eric Tollund (2.v.l.) und seine Kameraden
vom Animas Fire District nehmens locker.
Samstag, 29.07., 01.40 p.m.:
"Manter Fire", Sequoia National
Forest, Kernville/Kalifornien
Der bisher grösste Waldbrand in der Geschichte
des Sequoia National Forest in der südlichen Sierra Nevada
entstand am 22.07.2000 vermutlich durch menschliche Unachtsamkeit an einem
Lagerfeuer. Von seinem Ausgangspunkt etwa zehn Meilen südlich des
"Bald
Mountain Lookout" (Feuerwachturm) in der "Dome Land Wilderness
Area" (Manter Meadows) breitete sich der Waldbrand bis zum 10.
August (Containment) auf eine Fläche von rund 74.000 Acres
(etwa 300 Quadratkilometer) aus. Im Einsatz waren über
1000
Wildland Firefighter aus mehreren US-Bundesstaaten.
Als wir mit dem Helikopter 408 der Kern County
Helitack unweit des Lake Isabella starteten, ahnte ich noch nicht
das ungeheure Ausmass verbrannter Vegetation. Erst beim Überfliegen
der Bergflanken wurde deutlich, was Grossbrände dieser Art an Schäden
im Hochwald anrichten konnte. Wenngleich die Flammenwand des "Manter
Fires" weder menschliche Opfer noch wesentliche Gebäudeschäden
forderte, so dürfte die Natur über Jahre hinaus beeinträchtigt
worden sein.
Diese Natur wird sich jedoch erholen - ob sich Menschen
aber in Zukunft bewusster sein werden, welche Schäden sie durch Unachtsamkeit
verursachen, bleibt offen?!
Die Helitack-Crew 408 des Kern County Fire
Department steht unter der Leitung von Captain Keven V. Loomis. Ihr gehören
rund zwanzig Firefighter an, die als "schnelle Eingreiftruppe"
mit dem Hubschrauber zu Wald- und Flächenbrandeinsetzen ausrücken.
Nach dem Absetzen der Crew an der Einsatzstelle steht der Helikopter für
Löschflüge zur Verfügung.



Bild
1: Mit dem Helitack-Helikopter 408 zum "Manter Fire" im Sequoia National
Forest.
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2: Mit dabei Helitack-Captain Kevin V. Loomis (rechts). Er ist verantwortlich
für seine rund 20 Mann starke Helitack-Crew.
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3: Das "Manter Fire" war mit rund 75.000 Acre der grösste Waldbrand
in der Geschichte des Nationalforstes am Rande der Sierra Nevada.
Bild
4: Die einst dicht bewaldeten Bergflanken präsentieren sich nach dem
Durchzug der Flammenwand grau und kahl.
Samstag, 23.06, 04.10 p.m.:
"Democrate Fire", Lake Isabella/Kalifornien
Die automatische Leuchttafel am Beginn des Kern River
Canyon zeigt die Waldbrandwarnung: "Wildlandfire - Watch for Fire
Trucks!". Der schmale und kurvenreiche Highway 178
führt von Bakersfield aus in Richtung Lake Isabella und weiter in
die Berge der südlichen Sierra Nevada. Geoff Wilford steuert sein
BC-Fahrzeug durch den bereits dichten Verkehr auf dieser Strecke, wohlwissend,
dass sich vor der eigentlichen Einsatzstelle ein langer Stau bilden wird.
Die "California Highway Police" stoppt die Fahrzeuge und
lässt sie nur in geführten Kolonnen passieren. Bei einem solchen
Verkehrsaufkommen und aufgrund der Strassenverhältnisse helfen auch
die Sirenen von "BC 7" nicht mehr viel. Es dauert, bis wir die Einsatzleitung
unweit der Canyon Road erreichen. Von einem provisorischen "Heli-Spot"
hier starten auch die Lösch-Helikopter, im Kern River nehmen sie mit
ihren "Buckets" das Wasser auf. Südlich der "Democrate Fire
Station" (US Forest Service) brennt Wald und Brushland auf einer
Fläche
von rund 430 Acres (knapp zwei Quadratkilometer).
Im Einsatz beim "Democrate Fire" sind Kräfte des
Kern
County Fire Department, des US Forest Service sowie
mehrere Helikopter aus den umliegenden Counties. Es wird
mehrere Tage dauern, bis das Feuer in den unzugänglichen Hügeln
überall gelöscht und die Nachlöscharbeiten (Mop up) durchgeführt
wurden.



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1: Auf dem Canyon-Highway 178 zum "Democrate Fire". Aufgrund des starken
Verkehrs erweist sich die Fahrt selbst mit dem Einsatzfahrzeug als schwierig.
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2: Über weite Entfernungen hinweg stehen die Wälder oberhalb
des Canyons in Flammen.
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3: Hubschrauber mit Löschwasserbehältern (Buckets) fliegen unablässig
die einzelnen Brandstellen an.
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4: Gefährlich sind die kleinen Brandnester im trockenen Unterholz:
hier ist sorgfältige Arbeit der Handcrews gefragt.
Mittwoch, 24.09., 02.10 p.m.:
"Caliente Creek Fire", Caliente/Kalifornien
Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt Deputy Fire
Chief LeCostel Hailey vom Headquarter des Kern County Fire
Department in Bakersfield den Sprechfunkverkehr von "Patrol
54". Der Brush Truck mit einer Drei-Mann-Besatzung ist im Einsatz
bei einem kleinen Flächenbrand in den "Golden Hills" unweit
des Freeway 58. "Golden Hills" - die Bezeichnung macht zugleich
die extreme Lage dort deutlich: Die Bodenvegetation der Hügel besteht
aus gold-scheinendem Wildgras, das zu dieser Jahreszeit völlig
ausgetrocknet ist und im Feuer geradezu zu explodieren scheint.
Bäume und lichtes Gebüsch leiden ebenso unter der anhaltenden
Trockenheit und bilden eine zusätzliche Gefahr beim Übergreifen
eines Flächenbrandes. Als "Patrol 54" über Funk
weitere Engines und einen Hubschrauber nachfordert, weiss Le, dass es jetzt
problematisch werden kann. "Let's go to the fire!", so seine
Entscheidung. Bis zum Eintreffen an der Einsatzstelle unweit des
kleinen Dorfes Caliente hat sich die Lage weiter verschärft.
Mehrere Gebäude werden nunmehr vom Feuer bedroht, immer
wieder setzen die von den Hügeln abgerollten brennenden Teile
(Snags, Stub) weitere Flächen in Brand. Neben mehreren Engines
der umliegenden Waldbrand-Wachen kommen jetzt auch "Water Tender"
(Löschwasser-Zubringer) sowie die "Heavy Attack" des
Kern County Fire Department zum Einsatz. Auf Tiefladern transportierte
Bulldozer sollen durch Anlegen von Brandschneisen (Fire Lines) das
Feuer einkreisen, Handcrews verhindern ein Übergreifen der Flammen
in aussenliegende Flächen.
Gut drei Tage dauert der Einsatz, bevor die Gefahr eines
weiteren Ausbrechens von Wildfires entgültig gebannt ist.



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1: Wolfgang Jendsch im Einsatz beim "Caliente Creek Fire" südöstlich
von Bakersfield.
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2: Auf einer Fläche von rund 150 Acres steht trockenes Buschgelände
in Flammen. Immer wieder setzen abrollende brennende Teile weitere Flächen
in Brand.
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3: Handcrews und die Besatzungen der Patrols im Löscheinsatz.
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4: Unterstützung durch Dozer der "Heavy Attack". Sie legen Brandschneisen
im Vorfeld der herannahenden Flammenwand an.
Montag, 01.09, 11.35 a.m.:
Küchenbrand, Boise/Idaho
Schichtdienst auf der Wache 5 des Boise Fire Departments
in Idaho. Ich hatte zuvor das "National Interagency Fire Center"
(NIFC) besucht, danach nahm ich gern die Einladung von Captain
Don Frey an, eine Schicht auf der Fire Station im Süden der
Stadt mitzumachen. Die Wache bietet den typischen "Structure Fire Service"
einer Grossstadt. Stationiert sind hier zwei moderne Engines und ein Transport-Truck
für Schaumlöschmittel. Neben Don haben diesmal Engineer
John McCornack und Firefighter Mike Walker Einsatzdienst.
Unsere Gespräche über Feuerwehren in den USA,
Deutschland und Europa wurden unsanft unterbrochen durch den Alarmgong
und die nachfolgende Durchsage: "Engine 5 - Kitchen Fire, Pizzeria,
18th Street!". Gleichzeitig wurde "Squad 8" mitalarmiert,
ein kombiniertes Lösch- und Drehleiterfahrzeug der Fire Station
8 (Overland Road). Schon auf der Anfahrt zur Einsatzstelle liess
die hohe Rauchsäule nichts Gutes erwarten. Wenige Minuten später
nahmen Don, John und Mike ihre Arbeit auf: Lageerkundung
im Inneren der Pizzeria,
Befragung des Personals, Vornahme
einer Angriffsleitung - und Abtransport von drei schwarz-verbrannten
Pizzen ins Freie!
Ob der gute oder weniger gute Belag der Pizzen dafür
verantwortlich war, dass sich in der Küche der Pizzeria eine Grossbrand-ähnlicher
Rauch entwickelte, sei dahingestellt - jedenfalls war dort kein
offenes Feuer auszumachen. Der Schaden beschränkte sich auf
die völlige Verrauchung der Räumlichkeiten - zum
verständlichen Ärger des unvorsichtigen Pizzabäckers. Nach
Belüftung der Räume war Einsatzende angesagt, nicht ohne das
Versprechen des Personals, die Fire Station 5 am nächsten Tag mit
(unverbrannten) Pizzen versorgen zu wollen (was dann auch prompt geschah
- und die Pizzen waren ausgesprochen gut!).



Bild
1: Engine 5 des Boise Fire Department auf der Fahrt zur Einsatzstelle.
Eine Rauchsäule zeigt die Richtung.
Bild
2: Einsatzstelle an! Die Drei-Mann-Besatzung (Captain, Engineer, Firefighter)
nimmt ihre Funktionen wahr.
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3: Sicherheitshalber wird ein Rohr bereitgehalten.
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4: "Feuer unter Kontrolle!" - Mike Walker trägt triumphierend die
verbrannte Pizza ins Freie.
Donnerstag, 17.06, 01.40 p.m.:
Smokejumper-Einsatz, Missoula/Montana
Nicht selten besteht die hauptsächliche Tätigkeit
von Smokejumpern aus Warten - warten auf den nächsten Einsatz, der
während der jährlichen Fire Season unweigerlich kommt. Nur wann
er kommt, ist in jedem Fall unklar!
Diesmal ertönt der Alarmgong am frühen Nachmittag
- ein Wildfire in der "Rattlesnake Wilderness" nordöstlich
von Missoula macht den Einsatz der schnellen Eingreiftruppe erforderlich.
Bodengebundene Löscheinheiten würden in diesem Fall dreimal so
lange brauchen, während Smokejumper innerhalb von zehn bis zwanzig
Minuten die Einsatzstelle erreichen und gute Chancen für den Ersteinsatz
haben.
Die etwa fünfzehn Mann starke Mannschaft
begibt sich nach der Alarmdurchsage ohne Hektik in die Ankleideräume,
um die rund zwanzig Kilogramm schwere Ausrüstung anzulegen: Jump Suit,
Helm mit Schutzvisier, Sicherheitsstiefel, Rucksack mit persönlicher
Ausrüstung - und natürlich den Fallschirm! Smokejumper des Us
Forest Service nutzen in den USA in der Regel den runden Schirm
(FS-14, geeignet für Steilgelände und Hochwaldbereiche), während
ihre Kollegen vom BLM auf "RAM Air Parachutes" (Flachgleitschirme)
setzen.
Nach wenigen Minuten ist das sogenannte "Jump Plane",
ein Flächenflugzeug vom Typ "C 23-Sherpa (Shorts SD 330)",
startklar. Mit sonorem Motorgeräusch erhebt sie sich vom Boden und
fliegt in Richtung Einsatzstelle. Deutliche Rauchentwicklung
aus dem mit dichtem Brush bewachsenem Gelände weist dem Piloten den
Weg. Die Maschine kreist zwei-, dreimal über der Brandstelle, während
der "Spotter" einen geeigneten Absprungplatz sucht und durch
Abwerfen
farbiger Bänder die genauen Windverhältnisse überprüft.
Dann geht alles ganz schnell: die Smokejumper checken ein letztes Mal ihre
Ausrüstung, ein aufmunternder Schlag auf die Schulter - dann geht
es im freien Fall Richtung Boden. Es sind nur wenige Sekunden, in denen
die Springer die "Freiheit in den Wolken" geniessen dürfen, dann gilt
es, möglichst heil am Boden zu landen. Zusammenpacken des Fallschirms,
Aufnehmen
der Arbeitsgeräte (Wildland Tools), die zuvor aus der Maschine
abgeworfen wurden - dann geht es zu Fuss in Richtung Brandstelle.
Irgendwann und irgendwo - wenn das Feuer gelöscht
ist - werden die Smokejumper von einem Transportfahrzeug aufgenommen und
zurück auf ihre Basis fahren. Bis dahin steht jedoch noch eine Menge
kräftezehrender und gefährlicher Arbeit an.





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1: Alarm für die Smokejumper von Missoula! Ohne Hektik begibt sich
die diensthabende Mannschaft an die Ausrüstungsspinde.
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2: Jeder hilft Jedem, insbesonders wenn es um das korrekte Anlegen der
Ausrüstung geht. Persönliche Sicherheit steht hier an erster
Stelle.
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3: Nach wwenigen Minuten besteigen die Smokejumper mit ihrer Ausrüstung
das sogenannte "Jump Plane", eine "C 23 Sherpa" des US Forest Service.
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4: An Bord der Maschine herrscht gute, jedoch gespannte Stimmung. Noch
ist unklar, was die Smokejumper an der Einsatzstelle erwartet.
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5: Die ersten Springer verlassen die Maschine - wenige Sekunden "Freiheit"
in den Wolken!
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6: Landung auf einer freien Lichtung unweit der Einsatzstelle. Von hier
aus geht es zu Fuss zur Brandbekämpfung.
Freitag, 13.07, 07.00 a.m.:
Schichtdienst, South Lake Fire
Station/Kalifornien
Die Station 71 "Southlake" liegt unweit
des Lake Isabella am Rande des Sequoia National Forest. Das etwa 5874
Quadratmeter grosse Gebäude wurde 1985 gebaut. Die Feuerwache
steht für einen 490 Quadratmeilen grossen Zuständigkeitsbereich
mit rund 4770 Einwohnern zur Verfügung. Jährlich muss
die jeweils dreiköpfige Schicht (Captain, Engineer,
Firefighter, ergänzend gegebenenfalls ein Battalion Chief) etwa 570
mal ausrücken. Schon aufgrund der landschaftlichen Gegebenenheiten
(Brush, Grasland, Wüste) stehen bei den Einsätzen Wildland
Fires an erster Stelle, gefolgt von notfallmedizinischen
Einsätzen (Medical Aid) und technischen Einsätzen
bei Verkehrsunfällen (Rescue, Fahrzeugbrände). Auf der
Wache stehen zwei Type-1-Engines, eine Type-3-Engine sowie ein Type-4 "Wildland
Patrol" bereit.
Diesmal haben Captain Bill Coughram, Engineer
Jose Valdez und Firefighter Joe Sepulveda Dienst
- jeweils durchgehend zwei Tage und Nächte, dann folgen zwei freie
Tage.
Für mich waren diese Schichtdienste ideal, um den
organisatorischen und taktischen Ablauf auf einer Waldbrand-Wache
kennenlernen zu können. Zugleich war es aber auch möglich, die
hier typische "Dreiteilung" der Einsätze - Wald- und
Flächenbrandbekämpfung, Brandeinsätze und medizinische Einsätze
- in ihren Abläufen praktisch mitzumachen. Und so ergaben sich auch
während der Schichttage eine Reihe von interessanten Einsätzen.
Zum Schichtdienst gehört abner auch das "Miteinander-Umgehen"
auf engstem Raum. Dazu gehören Funkbereitschaft, Bürotätigkeit
und Fahrzeugpflege genauso wie Dienstsport,
Kochen,
Essen
und Schlafen. Und wenn ich eines sicher nicht vergessen werden,
dann waren das die mexikanischen Köstlichkeiten von Jose Valdez!
Meist ging es am Vormittag
mit der Engine zum Einkaufen in
einen kleinen Supermarkt im Nachbardorf, dann wurde gekocht, gemeinsam
der Mittagstisch gedeckt - um sich letztendlich genüsslich den Tortillas,
Beans und Enchiladas mit "Hot Sauces" hingeben zu können.
Und um bei all' den kulinarischen Erlebnissen das Fachliche
nicht zu vergessen: Das "Drei-Funktionen-System", das ich
auch auf anderen Fire Stations beispielsweise in Idaho, Uthah, Colorado
oder Arizona kennengelernt habe, funktionierte bestens! Und das eine Drei-Mann-Besatzung
ihren vielfältigen Aufgaben absolut gerecht wurde, konnte ich mehr
als einmal erleben.



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1: Drei Mann Besatzung - drei Funktionen - drei Einsatzbekleidungen: Wildland
Firefighting, Structure Firefighting/Rescue und Medical Aid (v.l.n.r.).
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2: Auch die administrative Arbeit muss gemacht werden. Heute hat Joe Sepulveda
Bürodienst.
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3: Engineer Jose Valdez kann sich derweil ausruhen und die Zeitung lesen
- der nächste Einsatz kommt bestimmt!
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4: "Highlights" entstehen in der Küche! Die Mannschaft kocht selbst
- oft sind es mexikanische Speisen mit Bohnen und Rindfleisch in Teigfladen.
Zur ergänzenden Information:
Einige kritische Kommentare von Wolfgang Jendsch zum
Thema "Wald- und Flächenbrandbekämpfung":
Amerika brennt! -
Zur Berichterstattung der Medien über die Waldbrandsaison in den USA
Hobby-Löscher! -
Private Aktivitäten von Feuerwehrangehörigen in Sachen "Waldbrände
löschen"
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